Im Geiste eines orthopädischen Genies

Die Entstehung der Hessing Stiftung

Seit mehr als 140 Jahren ist die von Hofrat Friedrich von Hessing (1838–1918) gegründete ehemalige „orthopädische Heilanstalt“ auf dem Gebiet der Orthopädie tätig. Heute zählt sie zu den führenden Fachkliniken in Deutschland und stellt die orthopädische Versorgung für mehr als 7.500 stationäre und 35.000 ambulante Patienten pro Jahr sicher.

1868 gründete Hofrat Friedrich von Hessing seine „Hessing’sche Orthopädische Heilanstalt“ und legte damit den Grundstein für die heutige Hessing Stiftung. Gerade die ersten Jahre seiner beruflichen Tätigkeit als Inhaber einer Orthopädischen Heilanstalt waren von vielen Schwierigkeiten geprägt. Als medizinischer Autodidakt – Hessing hatte niemals eine medizinische Fakultät besucht – sah er sich heftiger Kritik seitens der etablierten Medizin ausgesetzt. Es bedurfte großer Tatkraft und Hartnäckigkeit, diese Widerstände zu überwinden. Sein Erfolg gab ihm letztendlich Recht.

Wegweisende Erfindungen

Der von Hofrat von Hessing entwickelte „Schienenhülsenapparat“ sowie seine Erfindungen zur Behandlung von Kriegsopfern verhalfen ihm zu spektakulären Therapieerfolgen, die den Ruf der Hessing’schen Heilanstalt sogar weit über die Grenzen Deutschlands hinaus trugen. Bis 1903 wurden mehr als 60.000 Patienten in Göggingen versorgt, darunter auch Angehörige des europäischen Hochadels. Die Heilanstalt hat sich in dieser Zeit zu einem weitläufigen Unternehmen mit Bettenhaus, Behandlungsräumen, Schlosserei, Drechslerei, Schreinerei und Spenglerei entwickelt. Um das leibliche Wohl kümmerte sich eine eigene Landwirtschaft. Für Unterhaltung und Zerstreuung sorgten Garten- und Parkanlagen, Säulengänge, Arkaden und Musikpavillons sowie eine Anstaltskirche. Sogar ein eigenes Theater wurde errichtet, das heute den Ruf eines Kulturdenkmals von europäischem Rang genießt.

Hessing’s unternehmerischer Tatendrang beschränkte sich nicht nur auf Augsburg – ähnliche Anlagen wie in Göggingen entstanden schließlich auch in Wildbad bei Rothenburg, Bad Kissingen und Bad Reichenhall. Zeit seines Lebens widmete sich Hofrat Friedrich von Hessing der Orthopädie – und dies stets zum Wohle seiner Patienten. Auch nach seinem Tod sollte sein Lebenswerk fortbestehen. Durch die Errichtung einer Stiftung wurden die Bedingungen geschaffen, „die Anstalt zu erhalten und fortzuführen, zum Wohle der Heil- und Hilfsbedürftigen“, so der Stiftungszweck. Ein Vermächtnis, dem die Hessing Stiftung bis heute gerecht wird.


Friedrich von Hessing 

Friedrich von Hessing gilt heute als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Orthopädie. Erfindungsreichtum und Durchsetzungsvermögen zeichneten ihn aus. Vielfach wurde er als „mechanisches Genie“ seiner Zeit bezeichnet. Er legte den Grundstein für die Hessing Stiftung, die heute aus vielfältigen Unternehmensbereichen besteht.

Biographie

1838 Geburt Friedrich Hessing
1858 Ausbildung zum Orgelbauschreiner
1868 Bewilligung zur Errichtung einer Heilanstalt
1887 Errichtung der „Neuen Heilanstalt“ in Göggingen
1894 Ankauf des Wildbades bei Rothenburg
1899 Behandlung von Kaiserin Victoria wegen Knöchelbruchs
1900 Pacht des Staatsbades Bad Kissingen
1906 Besuch des Bayerischen Landtages
1907 Ernennung zum Hofrat
1908 Errichtung des Denkmales
1913 Erhebung in den Adelsstand
1918 Todesjahr Hofrat Friedrich von Hessing
1919 Gründung der Hessing Stiftung

Friedrich von Hessing (li.) mit Mattias Kundner beim Verbandswechsel einer komplizierten Unterschenkelfraktur, wobei der Schienenhülsenapparat liegen bleibt (um 1900)

Auszug aus dem Testament

"Ich, Friedrich Hessing, königlich Bayerischer Hofrat in Göggingen bei Augsburg, setze zu meiner alleinigen Erbin eine Stiftung ein.
Zweck der Stiftung ist die Erhaltung und Fortführung meiner orthopädischen Anstalt in Göggingen und die Erhaltung und Vervollkommnung aller meiner Erfindungen zum Wohle der Hilfs- und Heilungsbedürftigen."...